Initiative Kreislaufwirtschaft Bau stellt ihren 15. Monitoring-Bericht zum Aufkommen und Verbleib mineralischer Bauabfälle vor.
Berlin, 4. November 2026
Verwertungsquote mineralischer Bauabfälle 2024 erneut über 90 Prozent
Seit 30 Jahren dokumentiert die Initiative Kreislaufwirtschaft Bau Aufkommen und Verbleib mineralischer Bauabfälle. Die veröffentlichte 15. Ausgabe des Monitoringberichts auf der Datenbasis 2024 erscheint zum Jubiläum. Sie zeigt: Von 175,2 Millionen Tonnen ungefährlicher Bau- und Abbruchabfälle wurden 159,2 Millionen Tonnen umweltverträglich verwertet. Die Verwertungsquote steigt damit auf 90,9 Prozent (2022: 90,4 Prozent).
„Die Beteiligten der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau arbeiten seit drei Jahrzehnten vertrauensvoll zusammen. Die Ergebnisse des neuesten Berichts unterstreichen erneut das starke Engagement der Branche in diesem Bereich“, sagt Dr. Berthold Schäfer, Sprecher der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau. Der Bericht stützt sich auf amtliche Daten des Statistischen Bundesamts. Es ist die erste Erhebung auf Grundlage des neuen bundeseinheitlichen Rechtsrahmens der Mantelverordnung.
Der Anfall mineralischer Bauabfälle sinkt gegenüber 2022 um 32,7 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Rückgang von 15,7 Prozent (2022: 207,9 Millionen Tonnen). Bei den körnigen Fraktionen liegt die Verwertungsquote bei 95,1 Prozent, bei Boden und Steinen liegt sie bei 87,8 Prozent. Aus den mineralischen Bauabfällen entstanden 64,3 Millionen Tonnen Recycling-Baustoffe. Sie decken 13,2 Prozent des Bedarfs an Gesteinskörnungen von 486,1 Millionen Tonnen. Zählt man industrielle Nebenprodukte wie Aschen und Schlacken hinzu, steigt die Substitutionsquote auf 17,5 Prozent. Der Einsatz von Recycling-Baustoffen in der Produktion von Asphalt und Beton hat gegenüber 2022 um 4 Prozent zugenommen und liegt nun bei 23,3 Prozent.
Konjunktur erklärt den Rückgang beim Abfallaufkommen
Schäfer führt die sinkende Menge an Bauabfällen auf die anhaltend schwache Baukonjunktur zurück: „Das Aufkommen an Abbruchmaterial folgt den rückläufigen Bauinvestitionen. Steigen die Bauinvestitionen, steigen Abfallaufkommen und Gesamtbedarf gleichermaßen. Die Substitutionsquote bleibt daher konstant. Weitere Steigerungen sind begrenzt.“
Im Tiefbau konnten zuletzt zwar weitere Potenziale erschlossen werden. Dort entstehen rund 17 Prozent mehr Recycling-Baustoffe als 2012. Die Produktion von Recycling-Baustoffen aus dem Hochbau war allerdings rückläufig und sank um 10 Prozent gegenüber 2012. Die Initiative unterstützt das Ziel der Bundesregierung, Ressourcen effizient einzusetzen. Sie vermisst bei den politischen Zielsetzungen aber den Blick in die Praxis. „Die nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie sieht eine Verdoppelung der Substitutionsquote vor. In unserem Bereich lässt sich das praktisch nicht umsetzen“, so Schäfer.
Erstmalig basiert der neue Monitoringbericht auf dem Rechtsrahmen der 2023 in Kraft getretenen Mantelverordnung. Ein Einfluss der geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen auf die Verwertung mineralischer Ersatzbaustoffe ist mit Blick auf die Ergebnisse jedoch nicht feststellbar. Schäfer verweist auch hier darauf, dass die schwache Baukonjunktur mögliche Effekte durch die Verordnung überlagere. Mit den Vereinfachungen der geplanten EBV-Novelle verbindet die Initiative die Hoffnung, die Verwertungsquoten zukünftig weiter steigern zu können.
Die Monitoring-Berichte stehen kostenlos unter www.kreislaufwirtschaft-bau.de zur Verfügung.
Seit 1995 setzt sich die Initiative Kreislaufwirtschaft Bau als Verbund der deutschen Baustoffindustrie, der Bauwirtschaft und der Entsorgungswirtschaft für die Förderung der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen ein. Im Zweijahresturnus veröffentlicht der Branchenverbund die aktuellen Daten zum Aufkommen und zum Verbleib mineralischer Bauabfälle. Damit dokumentiert die Initiative ihr Engagement zum Schutz natürlicher Ressourcen und zur Steigerung der Ressourceneffizienz.
Folgende Verbände sind Mitglied der Initiative:
- Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V.
- Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e.V.
- Bundesverband Mineralische Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Entsorgung e.V.
- Bundesgemeinschaft Recycling-Baustoffe e.V.
- Deutscher Abbruchverband e.V.
- Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V.
- Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V.
Ansprechpartner:
Initiative Kreislaufwirtschaft Bau
c/o Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden e.V.
Dr. Berthold Schäfer
Tel.: (030) 7261999-24
E-Mail:
www.kreislaufwirtschaft-bau.de
Zusammenfassung des vorangegangenen 14. Monitoring-Berichtes vom 6. Dezember 2024:
Circular Economy: Erstmalig über 90 Prozent aller mineralischen Bauabfälle umweltverträglich verwertet
Der effiziente Umgang mit Ressourcen ist in den vergangenen Jahren zunehmend in den Mittelpunkt der politischen Debatten gerückt. So definiert die Europäische Union im Rahmen ihrer Taxonomie den Übergang in eine Circular Economy als eines von sechs zentralen Nachhaltigkeitszielen. Dem Bausektor kommt dabei eine herausgehobene Verantwortung zu, denn mehr als die Hälfte des deutschlandweiten Abfallaufkommens besteht aus mineralischen Bauabfällen, davon entfallen knapp 60 Prozent (58,7 Prozent) auf Boden und Steine.
Die Initiative Kreislaufwirtschaft Bau hat am 6. Dezember 2024 ihren 14. Monitoring-Bericht zum Aufkommen und Verbleib mineralischer Bau- und Abbruchabfälle veröffentlicht. Der Bericht basiert auf den amtlichen Daten des Statistischen Bundesamts und beschreibt die Situation im Jahr 2022. Bereits in den 90er Jahren haben sich die maßgeblichen Verbände der Baustoffindustrie, der Bauwirtschaft und der Entsorgungswirtschaft zur Initiative Kreislaufwirtschaft Bau zusammengeschlossen, um die mineralischen Bauabfälle einer umweltgerechten Verwertung zuzuführen und ihre Deponierung zu minimieren.
Von den insgesamt rund 208 Mio. Tonnen mineralischen Bauabfällen wurden in 2022 188 Mio. Tonnen einer umweltverträglichen Verwertung zugeführt. Erstmalig wurden damit über 90 Prozent der anfallenden Bauabfälle wiederverwertet. Während Bodenaushub nur zu knapp 87 Prozent verwertet werden konnte, liegt die Verwertungsquote der körnigen mineralischen Bauabfälle, wie Bauschutt und Straßenaufbruch, bei knapp 96 Prozent. Durch die zu RC-Baustoffen aufbereiteten körnigen mineralischen Abfälle konnten 13,3 Prozent des Bedarfs an primären Gesteinskörnungen ersetzt werden, mit Berücksichtigung der industriellen Nebenprodukte liegt die Substitutionsquote bei 17,9 Prozent. „Der Bausektor macht vor, wie Circular Economy funktionieren kann. Die Betriebe vermeiden die Deponierung, bereiten die Abfälle zu RC-Baustoffen auf und setzten sie dann erneut in Bauvorhaben ein. So werden natürliche Ressourcen geschont.“ sagt Dr. Berthold Schäfer, Sprecher der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau.
Die beteiligten Verbände zeigten sich zufrieden mit dem Ergebnis. Da die Potenziale der mineralischen Bauabfälle in Bezug auf die stoffliche Substitution heute nahezu ausgeschöpft sind, reagieren die beteiligten Verbände allerdings mit Unverständnis auf die vom Bundeskabinett beschlossenen politischen Zielsetzungen im Rahmen der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, die Substitutionsquote zukünftig verdoppeln zu wollen. „Die Substitutionsquote hängt vom Gesamtbedarf an Gesteinskörnungen und dem Abfallaufkommen ab. Wir können nicht mehr als 100 Prozent der Abfälle verwerten. Da der Bedarf für Wohnungen, Infrastrukturen oder Energiewende deutlich größer ist als das Abfallaufkommen, kann die Substitutionsquote nicht beliebig gesteigert werden. Da zukünftig zudem mehr saniert und weniger neu gebaut werden soll, ist trotz aller Bemühungen zukünftig eher mit einem Rückgang der Substitutionsquote zu rechnen“ führt Schäfer aus. „Die Substitutionsquote ist daher nicht der richtige Maßstab für die Bewertung der Circular Economy-Erfolge im Bausektor.“
Mantelverordnung kein Motor für mehr Kreislaufwirtschaft
Der nun vorliegende 14. Monitoring-Bericht mit den Daten des Jahres 2022 stellt den letzten Bericht der Initiative dar, der auf dem Rechtsrahmen der LAGA fußt. Der nächste Bericht wird mit den Daten 2024 erstmalig auf dem Rechtsrahmen der bundeseinheitlichen Mantelverordnung basieren. Die Mantelverordnung ist seit August 2023 in Kraft und zeichnet sich durch nicht harmonisierte Grenzwerte zu angrenzenden Rechtsbereichen, mehr Bürokratie und höhere Kosten aus. Die Deponierung könnte dadurch zunehmen und die Verwertungsquote sinken. Die Initiative Kreislaufwirtschaft Bau fordert daher mehr Augenmaß von der Politik. „Ambitionierte Ziele im Bereich Circular Economy sind richtig, müssen aber realistisch an Aufkommen, rechtlichen Hürden und dem absehbaren Bedarf ausgerichtet sein.“, so Schäfer.
Quelle: Initiative Kreislaufwirtschaft Bau, Bundesverband Baustoffe Steine und Erden
Zusammenfassungen zu dem 15. Monitoring-Bericht wurden auch in der Fachpresse veröffentlicht:
Bericht im EUWID Recycling und Entsorgung: Mineralische Bauabfälle 2022 zu 90 Prozent verwertet, aber Substitutionspotenzial ausgeschöpft
Bericht auf 320grad: Mehr Recycling geht am Bau kaum

